Montag, 6. Februar 2012

Twitter: Was soll ich denn der Welt erzählen?

In diesem Artikel erfahrt Ihr, wie Ihr als Leser oder als Internetseitenbetreiber Twitter sinnvoll als lokalen Nachrichtenkanal nutzen könnt.

Wir alle kennen Twitter, den Kurznachrichtendienst, der es uns auferlegt, pro Nachricht -Tweet genannt- mit maximal 140 Zeichen auskommen zu müssen. Glücklicherweise konnten wir uns langfristig an diese Beschränkung gewöhnen: seit zwanzig Jahren kündigen wir per SMS unser Zuspätkommen an und auch die eine oder andere Beziehung wurde damit beendet. Die SMS ist diskret und kostet Geld, Twitter offeriert genau das Gegenteil. Das bringt manchen, der nicht zu den Digital Natives gehört, zu der Frage: Was soll ich denn der Welt erzählen?

Nichts! Für viele hat das Zwitschern keinen Sinn. Die meisten Informationen eignen sich einfach nicht dafür, in die Öffentlichkeit getragen zu werden. Leider stirbt hierzulande mit dieser Erkenntnis oft das Interesse an Twitter. Zu Unrecht. Schließlich sehen wir uns auch die Tagesschau an, ohne selbst für Nachrichten zu sorgen.
 
Twitter, der Zwitscherdienst

Twitter ist ein Nachrichtenkanal.
Es macht nichts, dass die wenigsten Nutzer Inhalte beizusteuern haben. Twitter kann man auch prima passiv nutzen. Es gibt Follower, die selbst noch keinen einzigen Tweet abgesetzt haben. Sie folgen den aktiven Twitterern, die ihre Interessen bedienen. So wird Twitter zur Presseschau und die Tweets sind die Headlines. 140 Zeichen, die uns entscheiden lassen, ob wir tiefer in ein Thema einsteigen wollen oder nicht. Angerichtet in einer Timeline, die uns selbst auf dem Display eines Smartphones nicht überfordern.

Das hat Twitter Erfolg beschert: Auf den Punkt gebrachte Nachrichten von Relevanz. In den USA, weil dort die Reizüberflutung den Boden für das Nachrichtenkonzentrat bereitet hat. Im Nahen Osten und Nordafrika, weil es dort kein anderes, schnelleres, unzensiertes Medium gibt.

Und in Deutschland? Verfügen wir nicht bereits über alle Nachrichten, die wir benötigen? Sicher. Doch nichts ist so mühsam, wie sich die Neuigkeiten aus der näheren Umgebung zusammenzusuchen. Hier kann Twitter gute Dienste leisten. Sogenannte Retweet-Bots sammeln Informationen, die beispielsweise eine bestimmte Stadt betreffen. Sie scannen dafür die Tweets aller Twitternutzer und die Internetseiten der Region und stellen das Gefundene in einem eigenen Livestream zusammen. Wer einem regionalen Retweet-Account folgt, hat die Nachrichten der Heimat (oder irgend eines Interessengebietes) stets auf dem Schirm.

Nach dem Vorbild von @RTGeithain (Nachrichten aus Geithain) habe ich mit @Retweet_BNA einen Twitterkanal eingerichtet, der Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen wiedergibt, welche die Stadt Borna betreffen. Aktuell und regional, von der LVZ-Online-Zeitungsnachricht über Youtube-Videos bis zur Kleinanzeige erfasst der Follower alles, was unsere Kreisstadt betrifft, in den essentiellen 140 Zeichen auf einen Blick.

Doch nicht nur der Konsument hat Vorteile. Auch der Contentanbieter profitiert. Ihm erschließt sich ein weiterer Weg zur Verbreitung seiner Inhalte, dank dynamischer Lesezeichen (RSS-Feeds) sogar völlig automatisch. Was bedeutet das? Zunächst einmal Hausaufgaben. Jedes aktuelle Content Management System (CMS) ist in der Lage, einen RSS-Feed zur Verfügung zu stellen. Seitenbetreiber, die dieses Feature nicht anbieten, schließen eine wichtige Nutzergruppe (User, die Homepages mittels RSS-Reader verfolgen) und Anwendungen, die auf RSS basieren, aus. Also, liebe Webmaster: Sorgt für einen funktionierenden RSS-Feed und seid nicht mehr darauf angewiesen, dass Eure Inhalte per Zufallsprinzip gefunden werden. Im zweiten Schritt meldet Ihr Eure Seite einmalig für @retweet_BNA an. Mail genügt. Wählt für Eure Artikel markante Überschriften, denn diese sind es, die im Twitterkanal wiedergegeben werden. Fortan erscheint jeder Eurer Posts, den Ihr auf Eurer eigenen Internetseite verfasst, in der Twitter-Timeline von @retweet_BNA und damit in derjenigen der wachsenden Gemeinde der Follower.

Das RSS-Logo zeigt an, dass eine Internetseite das dynamische Lesezeichen anbietet